schwarzer Freitag…

… gemeint ist der vergangene Freitag der 30.07.2010.

Eigentlich wollte ich mit dem Motorrad nach Kroatien fahren, um dort ein wenig auszuspannen und um Zeit mit meiner Schwester zu verbringen… aber es sollte anders kommen… Aber ich beginne mal vom Anfang; Sommerurlaub, was gibt es Feineres, als ein paar Wochen auszuspannen? Kraft tanken, Dinge tun, die einem Freude machen und vielleicht mal Gelegenheit finde, Liegengebliebenes aufzuarbeiten. So sah eigentlich mein Plan aus. Als mich meine Schwester letztes Wochenende in Oberammergau besuchte und sie und ihr Freund mich fragten, ob ich nicht Lust hätte, mit nach Kroatien zu kommen, änderten sich meine Pläne.

Die Aussicht auf eine Tour mit dem Motorrad quer durch die Alpen bis runter nach Kroatien erschien mir sehr verlockend und so machte ich mich an die Reisevorbereitungen. Motorradkoffer und Gepäckrolle gepackt und auf meiner Maschine verstaut. Ich wurde lange nicht fertig und so kam ich erst gegen 3 Uhr ins Bett; viel zu spät eigentlich!

Entsprechend schwer fiel mir das Aufstehen am Morgen der Reise. Kurz noch nen Kaffee ins Gesicht geschüttet, Lederkombi angezogen und los ging die Reise. Da ich nicht endlos lange unterwegs sein wollte, wählte ich die Autobahn als Strecke und Kiefersfelden als erstes Ziel. Das Wetter war zwar trüb, aber es blieb weitestgehend trocken. Erst, als ich in Kiefersfelden angekommen war, wo ich einen Stop einlegte, um Geld zu holen, begann es leicht zu regnen. Also, Regenkombi drüber gezogen und weiter gefahren…

Kufstein war schnell durchquert und trotz Regen kam ich auf der B178 gut voran. Bis… ja bis mein TomTom mich von der via google-maps geplanten Route abzweigen ließ und mich Richtung Reith bei Kitzbühl schickte. An sich eine kleine Abkürzung zu der von mir ausgewählten Strecke über die B161 bei Rettenbach. Hätte ich mal einen Wegpunkt mehr gesetzt…!

Die 90° Rechtskurve kurz vor Reith bei Kitzbühl (Koordinaten: 47.487238,12.349223) wäre nicht das Problem gewesen, allerdings realisierte ich die gleich dahinter liegende Holzbrücke nicht, bzw. erst als sich meine BMW das erste Mal quer stellte. Das erste Pendeln war noch abzufangen, das Zweite nicht mehr, da da bereits die Brücke zu Ende war und die querrutschende Maschine wieder vollen Grip bekam. Ich flog und erinnere mich noch genau an das Geräusch, als mein Kopf hart auf dem Asphalt aufschlug und meine BMW hinter mir her rutschte. Ich rappelte mich auf – autsch, mein rechter Unteram – und tappte zu meiner Machine. Ein hinter mir fahrender Mitarbeiter des österreichischen Straßenbauamtes (welche Ironie), sperrte mit seinem Fahrzeug die Brücke und half mir meine Maschine wieder aufzurichten. Auf seine Worte, dass die Holzbrücken rutschig seien, erwiderte ich nur, dass ich das gemerkt hätte. Im Nachsatz fragte ich ihn, warum es keinen Hinweis auf diese verdammte Holzbrücke gäbe und man nur (wie schon an den fünf Kurven vorher, wo nichts war) nur mit einem allgemeinen Gefahrenschild auf die möglich Gefahrenstelle hingewiesen wird. Antwort erhielt ich keine…
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Nach ein paar Minuten tiefem Durchatmen und einem Telefonat mit meiner Schwester, schwang ich mich wieder auf meine Maschine, um nach Deutschland umzukehren. Irgendwie gefiel mir der Gedanke, in Österreich in einem Krankenhaus zu liegen, nicht so Recht. Ich schaffte rund 72 Kilometer, bevor mich die Schmerzen zum Anhalten an der Raststätte Irschenberg Süd zwangen. Beim Abfahren von der Autobahn war mir klar, dass das Ende meiner Reise ist.

Zerknirscht kaufe ich mir erst mal eine Schachtel Kippen, um dann mit meiner Telefon-Odyssee zu beginnen.

Mein erster Anruf war beim ADAC; da ich ja schon jahrelang Mitglied bei diesem Club bin, dachte ich dass die mir am ehesten helfen können. Weit gefehlt! Nach dem ich dem Herren am Telefon meine Lage geschildert hatte, klärte er mich darüber auf, dass ich leider “nur” Basis-Mitglied sei und man mich höchstens bis zur nächsten Werkstatt bringen könne. Tja, Pech gehabt, dachte ich noch so, als der “nette” Mann meinte, dass wir doch meine Mitgliedschaft auf die berühmte PLUS-Mitgliedschaft umstellen könnten. Von dieser frechen Offerte war ich erst mal so perplex, dass ich nur kurz angebunden meinte, dass mir das im Moment auch nicht weiterhelfen würde. Im Nachhinein finde ich es wirklich dreist, mit einem gestrandetem, verletzen Menschen noch ein Geschäft machen zu wollen…

Der nächste Anruf ging an meine Versicherung, die HUK-Coburg, die ich an dieser Stelle für den Service besonders loben möchte. Zuerst hat mich die nette Dame am Telefon zwar erschreckt, da sie steif und fest behauptete, dass ich für mein Motorrad keinen Schutzbrief hätte, als sich dann aber herausstellte, dass es sich um einen EDV-Fehler handelte, ging alles recht schnell. Die HUK kümmerte sich darum, dass ich zusammen mit meinem Motorrad nach Hause gebracht wurde. Auch das beauftragte Abschleppunternehmen Kober aus Hausham möchte ich an dieser Stelle lobend erwähnen. Herr Kober kümmerte sich rührend um mich und brachte mich zunächst ins Krankenhaus nach Agatharied, wo ich gründlich durchgecheckt wurde.

Aufnahme des rechte EllenbogengelenksDass sich in der Notaufnahme mein Kreislauf verabschiedete, lag nicht, wie von der reizenden Schwester behauptet, daran, dass sie mir beim Ausziehen behilflich war. *grins* Ich denke, dass mich das Adrenalin so lange aufgeputscht hatte und erst in dem Moment, als alle Anspannung von mir abfiel, schlug der eigentliche Schock brutal zu… Eine Schocklage und eine Infusion mit etwas Novalgin später, ging es mir wieder recht gut. Es folgten diverse Röntgenaufnahmen und die Diagnose, dass der rechten Speiche nahe des Ellbogengelenks ein Stück des Knochens abgebrochen ist.

Nach der ambulanten Erstversorgung konnte ich dann zusammen mit einem Mitarbeiter von Herrn Kober die Heimreise antreten. Gegen 0.00 Uhr kamen wir dann bei mir zu Hause an. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch mal herzlich für den freundlichen Service und die Betreuung durch die Firma Kober.

Die letzten Tage und Nächte waren nicht besonders berauschend. Die Schmerzen waren immer so am Limit, dass an Schlafen nicht wirklich zu denken war und ich immer wieder hochdosierte Schmerzmittel einnahm. Ich werde sehen wie es weiter geht…

Nachtrag
Das CT hat ergeben, dass nicht operiert werden muss. Auf den Bildern sieht man die Fraktur sehr viel deutlicher, als auf den Röntgenaufnahmen.

4 Responses to “schwarzer Freitag…”

  1. Tweety sagt:

    Hi !!

    Sind diese Aufnahmen nicht etwas zu intim ? Das ist ja
    schlimmer als pornogafie – Da sieht man ja “nur” die
    Außenseite des Körpers.. ;-)

    Gruß Tweety

    PS: Gute Besserung !! (für die Brücke)

  2. Monika sagt:

    Gute Besserung!

  3. edaffner sagt:

    Hallo Mike,

    hoffentlich ist alles gut verheilt. Habe erst jetzt durch deine Site von deinem Mißgeschick erfahren.
    Wow, Du stellst deinen Dad ganz schön in den Schatten. ;)

    Wünsche Dir nochmals alles gute für dieses Jahr ohne Unfälle und so!

    Liebe Grüße

  4. miglosch sagt:

    Danke…
    Bis auf die Schmerzen im Ellenbogen ist alles wieder gut.
    Mal sehen, was dieses Jahr so auf mich zukommt… :-)

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